Depression & depressive Verstimmung, chronische Stimmungsschwankungen (Dysthymie)

Das Problem, 50% der Depressionen werden nicht erkannt: Man erkennt meist nicht, dass man eine Depression hat, man geht häufig wegen körperlicher Beschwerden zum Arzt. Auch der Arzt tut sich schwer mit der korrekten Diagnose, nur die Hälfte wird erkannt.

Aber durch Tests und durch Blutuntersuchungen erhält man verlässliche Hinweise, ob eine Stimmungsproblematik vorliegt, die behandelt werden sollte. Beeinträchtigungen der Stimmung mit „mal schlecht drauf sein“ abzutun und darauf zu hoffen, dass dies wie ein Schnupfen schnell und ohne Behandlung verschwindet, ist ein Irrglaube.

Genau so falsch ist es, Depression generell mit psychiatrischer Erkrankung oder mit Neurose in Verbindung zu bringen. Die Beschwerden, die unter dem Begriff „depressiv“ zusammengefasst werden, können bei vielen Menschen vorkommen und sind auch bei Überforderung und längeren Stresszuständen zu finden.

Depression ist eine „Volkskrankheit“. Depression und störende depressive Verstimmung betreffen ca. 20% der Frauen und etwa halb so viele Männer.

Die Depression vermindert nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sondern auch der Angehörigen und des gesamten Umfelds. Die „geistige Fitness“ (Cognition) ist bei der Depression vermindert. Besonders die Konzentrationsfähigkeit, die Merkfähigkeit, das Erinnerungsvermögen und die Lernfähigkeit sind betroffen.

Beim Eintritt in die Wechseljahre kann das Auftreten einer Depression begünstigt werden. Gerade Frauen mit hohem Stresspotential (und Hitzewallungen) scheinen betroffen.

Firmen entstehen die größten Einbußen überhaupt durch depressive Mitarbeiter (Fehltage, aber auch Leistungsminderung). Die Firmen sollten ein professionelles Programm zur Erkennung und Betreuung einsetzen, das zahlt sich aus!

Um es klar zu machen: Pro Jahr bekommen 5 von 100 Frauen und 3 von 100 Männern eine Depression. Depression ist weltweit verantworlich für 10% der Jahre, die mit erheblich eingeschränkter Lebensqualität zugebracht werden müssen.

  • Üstün TB, Ayuso-Mateos JL, Chatterji S, et al. Global burden of depressive disorders in the year 2000. Br J Psychiatry 2004;184:386–92

Bereits vor dem Auftreten einer depressiven Episode und noch lange nach einer (unbehandelten) depressiven Episode sind die psychologischen Funktionen (Freude, Konzentration, Erinnerungsvermögen, Lernfähigkeit usw.) eingeschränkt. Das allein spricht für Behandlung.

  • Ormel J, Oldehinkel AJ, Nolen WA, et al. Psychosocial disability before, during, and after a major depressive episode; A 3-wave population-based study of state, scar, and trait effects. Arch Gen Psychiatry 2004;61:387–92. Evidence-Based Mental Health 2004; 7:103

Die Depression sollte wie eine chronische Erkrankung gesehen werden, denn die meisten depressiven Störungen sind weder mild noch selbstlimitierend. Die Depression ist die Nummer 1 zum global burden of disease der 19-45 Jährigen in den Industriestaaten. Bis zu 15% der Erwachsenen erleiden eine Depression, 20% erholen sich von der ersten Episode nicht vollständig und 70-80% derer mit Erholung (Remission) erleiden wenigstens ein Wiederauftreten.

Stimmungsveränderungen sind behandelbar, man gewinnt dadurch an Lebensqualität. Der Bedarf an professioneller Hilfe ist hoch. ESEMeD, die europäische Studie zu Stimmungs-, Stress- und Angstkrankheiten zeigt, dass 3% der Erwachsenen Bedarf an Hilfe hat, diese aber nicht erhält.

Vorgehen

Wir werden uns an dem Wissen orientieren, das aktuell am sichersten bewiesen ist. Und dieses beste Wissen sagt, dass Teste auf Depression zwar wirksam sind, wenn sie von ausgebildetem Personal angeboten werden im Zuge eines Mehrstufenprogramms zur gezielten Erkennung Betroffener.

Das hier beschriebene Vorgehen ist abgestimmt auf die 2009 erstmals erschienene NVLeitlinie Depression, die regelmäßig aktualisiert wird.

Nur den Test anbieten, ist für eine entscheidende Wirkung sicher zu wenig!

Test

Wenn eine störende Beeinträchtigung der Stimmung vorliegt, sollten Sie einen Test machen…

Folgen Sie diesem Aufruf oder wenden Sie sich an den Fachmann.

Angaben zur Sicherheit der Auswertung:

Es ist zu erwarten, dass von 100 Testpersonen 30 ein positives Testergebnis haben werden. SIEBEN von den 30 werden nach fachärztlicher Untersuchung eine schwere Depression haben. Von den 70 Personen, die negativ getestet werden, hat einer eine Depression, die mit diesem Test nicht erfasst wird.

Bleiben Sie ehrlich… Falls Sie im roten Bereich liegen, hilft professionelle Beurteilung weiter. Der Test sagt erst mal, ob depressive Zeichen vorhanden sind oder nicht.

Nur durch ein Interview beim spezialisierten Arzt kann sicher ausgesagt werden, ob Sie eine behandlungsbedürftige Veränderung der Stimmung haben oder nicht. Er kann im Gespräch und mit seinen Testsystemen zuverlässig die schwere Depression feststellen und sie sicher von leichteren Formen abgrenzen.

Bei uns:

Weitere Tests können zu mehr Klarheit führen: Gedächtnisleistung, Stresstest, Herzkreislauftest und andere können erforderlich werden; das ist von Fall zu Fall unterschiedlich.

Die Ergebnisse aller Teste werden zu einer umfassenden Beurteilung zusammengefasst. Die wichtigen Laborwerte werden automatisch mit heran gezogen. So ist zum Beispiel das Verhältnis von Cortisol und einem körpereigenen Hormon der Nebenniere bei der Depression verschoben
(siehe Schmaal 2015). Über die Werte lassen sich Aussagen zum Schweregrad der Depression treffen, auch zum Ansprechen auf Behandlung.

Wer bereits behandelt wird, kann den Erfolg durch Zusatzmaßnahmen verbessern. Die Kunst liegt darin, jedem das Passende zu empfehlen.

Ohne „managed care“ verläuft die Behandlung unbefriedigend!

Was muss eine gute Praxis (auch Frauenarztpraxis) anbieten?

Einen „Stimmungstest“ und die Aufforderung durch das Personal, den Test auch anzuwenden (ev. mit dem Personal zusammen). Sie haben den Depressionstest durchgeführt und sind „im roten Bereich“ gelandet. Jetzt hilft nur professionelle Beurteilung weiter, um zuverlässig festzustellen, ob Sie eine Depression haben. Durch ein Interview beim spezialisierten Arzt (Psychotherapeut, Psychiater, Allgemeinmediziner….) kann die schwere Depression festgestellt werden, leichtere Formen sind zuverlässig abzugrenzen.

Das trainierte Team, das den Patienten über ein Jahr unterstützt, informiert und monitort ist erfolgreich und kostenorientiert.

„Disease Management“ ist wirksam; bessere Patientenzufriedenheit, Compliance und Behandlungserfolge werden erreicht.

E-Mail und Internet-Kommunikation erhöhen den Erfolg. Telefonbetreuung senkt effektiv den Depressionsgrad und erhöht die Patientenzufriedenheit. Auch eine spezielle Form der Verhaltenstherapie (CBT = cognitive behaviour therapy) übers Telefon wirkt.

  • Badamgarav E et al. Effectiveness of disease management programs in depression: a systematic review. American Journal of Psychiatry. 2003. 160(12). 2080-2090.

Das Evidenzbasierte Vorgehen ist bei Depression am wirksamsten: Betreuung in einer Praxis mit Depressionsmanager, Telefonbetreuung und enge Kooperation mit sowie Supervision durch Psychiater. Dieses Vorgehen wirkt besser und ist auch kosteneffektiv.

Sie sind am besten in einer Praxis aufgehoben, die belegen kann, dass all diese Programmpunkte erfüllt werden. Hier haben Sie bessere Chancen, das ist unumstößlich bewiesen.

Das trainierte Team („Quality care“) ist auch bei depressiven Jugendlichen erfolgreich (Evidenzklasse Ib/II).

Bei uns:

Die 3 entscheidenden Standbeine des Case Management werden befolgt:

  • Strukturierte Information über Depression in schriftlicher Form
  • Abfrage des Verlaufs über einen Bogen
  • Kontrollen, auch durch Blutuntersuchung

Bei der depressiven Verstimmung sind verschiedene Behandlungen, auch Kombinationen, denkbar. Neben Psychotherapie und Medikamenten gegen Depression sind das:

  • Sport
  • Östrogene ? („weibliche Hormone“), Testosteron („männliche Hormone“)?
  • DHEA, ein Hormon der Nebenniere
  • SAMe, ein Nahrungsergänzungsmittel
  • Johanniskraut?
  • Tryptophan, die Vorstufe des „Glückshormons Serotonin“?

Folsäure, Fischöl und das Medikament Raloxifen (?) können bei Frauen hilfreich werden zur Unterstützung der Medikamente gegen Depression. Auch Melatonin, das körpereigene Schlafhormon, ist als Zusatzbehandlung wirksam.

Man benötigt eine wirksame Strategie, um nicht immer wieder von Stimmungsproblemen „erwischt“ zu werden.

Zu Psychotherapie und Coaching gehören bei uns:

  • Entspannungsübungen (autogenes Training, Muskelrelaxation nach Jacobsen)
  • Stressbewältigung
  • Körpertherapie
  • Paartherapie
  • „Lichttherapie“
  • Gesprächstherapie (Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin)
  • Auch Internetangebote sind unterstützend nützlich (Evidenzklasse II).

Die Kunst liegt darin, für Jeden die geeignete Kombination zu finden. Körpereigene Stoffe und Medikamente sind sachgerecht einzubauen. Zur Orientierung sollte die aktuelle Leitlinie von NICE bekannt sein. Auch der Patient kann erkennen, wie gut bestimmte Behandlungen untersucht sind.


Copyright Rainer Wiedemann und Petra-Ilona Wiedemann für das C.L.I.

Weitere Informationen zu unseren Methoden der Literatursuche. Weitere Informationen zur Evidenzbasierten Medizin erhalten Sie in unserem Buch: Wiedemann R et al. Krankmacher Lebensstil. 2005. conkom Verlag, ISBN 3-00-017436-2

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Letzte Aktualisierung: 04. März 2017