Schlaganfall

Weiß man, was der wichtigste Risikofaktor ist, den man durch eigenes und ärztliches Zutun verändern kann?

Ja, die Erhöhung des Blutdrucks über 140/90 mm Hg. Das wichtigste Ziel ist, den Blutdruck zu senken, unter 140/90 mm Hg (siehe auch Menüpunkt „Hypertonus“). Bereits die Senkung des oberen Wertes (systolischer Blutdruck) um 4 – 10 mm Hg und die des unteren Wertes (diastolischer Blutdruck) um 3 – 4 mm Hg führt zur Risikosenkung um ein Drittel.

Salzreduktion ist hoch effektiv. Der Blutdruck ist der wichtigste Prädiktor für Schlaganfall und für kardiovaskuläre Ereignisse. Moderate Salzreduktion zeigt Wirkung auf den Blutdruck, ohne Schwellenwert und in allen Populationen weltweit, unabhängig vom Alter, Sex, Ethnik, BMI und Ausgangsdruck.
Die Senkung des Blutdrucks bei Werten zwischen 140 und 150 mm Hg mit Medikamenten hilft gar nicht so viel in der Senkung des Risikos für Schlaganfall (Diao 2012), Sport und Diät sind sehr gute Alternativen.

Fisch mit viel ungesättigten Fettsäuren (PUFA) reduziert moderat das Risko für cerebrovaskuläre Erkrankungen, nicht aber PUFA als Nahrungssupplemente.

Auch bei bestimmten Menschen sollte man zur Vorbeugung von Schlaganfall über eine Homocysteinsenkung (Blutfett) sprechen. Hier muss der Arzt genau wissen, wem es nutzt.

Welches Medikament ist zuverlässig untersucht?

Ramipril, ein sogenannter ACE Hemmer (Angiotensin Converting Enzym Hemmer).

Wer soll es erhalten?

Jeder mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten (siehe Menüpunkt Herz-Kreislauf-Erkrankungen), nicht nur der mit hohem Blutdruck: Jeder mit Risiko wird behandelt, ganz unabhängig vom Blutdruck.

In der großen „HOPE Studie“ zeigt sich, dass auch Menschen mit „normalem Blutdruck“ (130/80 und weniger) einen Schutz vor Schlaganfall durch Ramipril haben. Alle Leute mit Gefäßerkrankungen haben einen Vorteil von ACE Hemmern, weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und weniger Todesfälle.

Kann man die Vorteile des Medikaments erklären?

Die Verhinderung des Fortschreitens der Arterienverkalkung (Atherosklerose) ist wohl die entscheidende Schutzwirkung. Dies wurde in der Studie SECURE, einer Unterstudie von HOPE gefunden (Evidenzklasse Ib / II). Man fand eine bessere Wirkung für die Tablette mit 10 mg Ramipril pro Tag als für die niedrige Dosis von 2,5 mg pro Tag.

Das höchste Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen hat der, der eine Vorstufe wie eine Durchblutungsstörung mit leichten, vergänglichen Ausfallserscheinungen oder einen kleinen Schlaganfall hatte. In solchen Fällen muss immer mit Medikamenten behandelt werden. Zehn Prozent dieser Menschen erleiden dann innerhalb einer Woche einen Schlaganfall und bis zu 20% binnen 3 Monate.

Alle Menschen nach Herzinfarkt (und anderen Herzkreislauf Erkrankungen) haben ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall. Menschen mit Vorhofflimmern profitieren von der Blutverdünnung (weniger Schlaganfallrisiko). Es gibt aber zur Zeit keine Alternative zu den blutverdünnenden Tabletten. Aspirin und Clopidogrel ist keine Alternative (ACTIVE Investigators: gleich hohes Risiko der Blutung, aber weniger Wirkung).

Auch hier ist Sport eine Maßnahme, die mehr hilft als Medikamente (Naci 2013).

Aber bereits vorher bringt die Ultraschalluntersuchung einen Vorteil.

Bei Einengung der Gefäße auf ungefähr die Hälfte (trotz Medikamentenbehandlung) ist es günstig zu operieren, auch wenn noch keine Vorboten aufgetreten sind. Dies ist wirksam in der Vermeidung von Schlaganfällen (3 große Studien: US Veterans‘ Administration Studie, ACAS, ACST). Der Effekt ist für Frauen weniger klar, da sie ein höheres Operationsrisiko haben und ein geringeres Risiko für Schlaganfall (Rothwell unpubliziert, September 2004).

Sowohl dem Schlaganfall wie auch dem Herzinfarkt (die beiden am häufigsten vorkommenden schweren Erkrankungen) liegt eine „Arterienverkalkung“ (Arteriosklerose) zu grunde. Die Untersuchung auf Arterienverkalkung (Ultraschall oder Computertomografie) wird seit 2006 in den USA empfohlen. Sie erscheint zur Risikoabwägung gut und erhöht beim Patienten das Verständnis für Medikamente und das Dranbleiben an der Behandlung (Compliance).

Was ist therapeutisch besser, der Stent oder die Carotisoperation?


Copyright Rainer Wiedemann für das C.L.I.

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Letzte Aktualisierung: 16. November 2016