Wechseljahrbeschwerden

Wie viele Frauen leiden stark unter den Beschwerden?

Zwischen 50 und 55 Jahren haben 75 – 80% der Frauen störende Zeichen des Hormonmangels (Östrogenmangelsymptome). Zehn Jahre später sind das immer noch 40%. Mehr als 30 verschiedene Symptome sind beschrieben, die den 4 Kategorien Vasomotorik (Hitzewallungen, Schwitzen), Psyche, Haut- Muskulatur und Urogenitalsystem (Niere, Harnleiter, Blase, Scheide) zugeordnet werden.

Welche Behandlung ist am besten untersucht?

Die am besten untersuchte und wirksamste Behandlung ist der Hormonersatz mit „weiblichen Hormonen“ (Evidenzklasse Ia). Eine Alternative ist Tibolon (Evidenzklasse Ib/II). Es hat eine gute Wirkung auf Hitzewallungen, Schwitzen, trockene Scheide… Es zeigt ein günstiges Nebenwirkungsprofil, die Östrogenspiegel werden nicht erhöht. Positive Einflüsse auf das Sexualleben sind nahe liegend. Aber es fehlen die Daten zur Langzeitsicherheit. Falls ein nicht hormoneller Ansatz gewünscht ist (z.B. Prostatakrebs des Mannes, bei der Frau Brustkrebs…), können Medikamente, die die Stimmung bessern, wie Venlafaxin (75 mg/d) oder Paroxetin, wirksam gegen Hitzewallungen eingesetzt werden (Evidenzklasse II). Gabapentin ist ein wirksamer nicht hormoneller Ansatz.

Für alle weiteren Maßnahmen gibt es keinen Beweis (Klasse I Evidenz), dass diese Behandlungen wirksamer als Placebo (Tabletten ohne Wirkstoff, „Scheinmedikament“) sind. Dazu zählen:

  • Pflanzliche Stoffe („Phytoöstrogene“)
  • Homöopathie
  • Chiropraktik
  • Massage
  • Akupunktur
  • Relaxationstechniken
  • Nahrungsergänzungsstoffe, Vitamin E

Das Fazit lautet: Wer stark leidet, möchte wirksam behandelt werden. Die zuverlässige Information steht am Anfang, und die lautet zusammengefasst: Am besten belegt ist die Gabe weiblicher Hormone. Die Hormongabe erhöht das Risiko für Brustkrebs, Schlaganfall und Lungenembolie.

Natürlich“ (aus Pflanzen, siehe Literatur „Franco“) und „bioidentical“ (siehe Literatur „Gaudard“) sind gerne verwendete Schlagworte aus der Werbung, ein Vorteil ergibt sich nicht.
Die Nachteile sind genau die von „Hormontabletten“, sie werden oft nicht erwähnt.

Wer diese Risiken nicht haben will, ist am besten mit Paroxetin beraten.
Das niedrig dosierte Antidepressivum ist ohne ernsthafte bedrohliche Nebenwirkungen.

Bei uns:

  • Zuerst wird überlegt, was benötigt wird und wie lange.
  • Die verständliche Risikoerklärung für Brustkrebs und andere Krebsformen, Schlaganfall und Lungenembolie folgt. Das veränderte Nutzerverhalten (weg von den Hormonen) birgt auch bislang wenig beachtete Risiken (siehe „Osteoporose“), die die Lebensqualität senken.
  • Man findet für jede Frau die passende Lösung, auch nicht hormonelle.

Auch der Einfluss von Übergewicht auf Brustkrebs, Schlaganfall und Lungenembolie sollte bedacht sein, im Vergleich zur Ursache „Hormone.“

Schlafstörung

Das ist neu, so hoch ist der Nutzen der Hormone nicht.

  • Schlafstörungen werden bis zur Dauer von einem Jahr durch „Hormonpräparate“ positiv beeinflusst. Danach ist die Wirkung schwächer.
  • Es müssen andere Konzepte eingesetzt werden (multifaktoriell).

Zwei Studien zur Hormongabe in der frühen Postmenopause sind 2012 erschienen und teilweise publiziert: In der ersten Studie werden 1006 gesunde Frauen mit einem Alter von 45 bis 58 Jahren (kurz nach Eintritt der Wechseljahre) mit 17-β-Estradiol und Norethisteronacetat oder Placebo behandelt.
(Lind Schierbeck L et al. Effect of hormone replacement therapy on cardiovascular events in recently postmenopausal women: randomised trial. BMJ 2012;345:e6409)

Die zweite Studie ist die Kronos Early Estrogen Prevention Study (KEEPS), bei der 700 Frauen (3-4 Jahre nach der Menopause) bis zur Dauer von 4 Jahren mit mikronisiertem Progesteron plus oralen konjugierten equinen Estrogenen (Premarin, 0.45 mg/d) oder transdermalem Estradiol (Climara patch, 50 μg/d) oder Placebo behandelt werden. Das führte NAMS und zu einer online Stellungnahme: http://www.menopause.org/annual-meetings/2012-meeting/keeps-report.
Es gibt jetzt 2014 eine Veröffentlichung dazu: Harman AM et al. Published online 29 July 2014

Wertung: Man geht davon aus (auf der Basis der 2 Studien und der WHI Subgruppenanalyse frühmenopausaler Frauen), dass die Hormongabe bei Frauen bis zu 58 Jahren wegen menopausaler Symptome über den kürzest möglichen Zeitraum eine „sichere Angelegenheit“ ist. Ein Vorteil oder gar ein Vorbeugeeffekt in Hinsicht auf Herzerkrankung wird nicht gefunden (das wird immer noch oft behauptet).

Weiterhin bleibt die Hormongabe eine individuelle Entscheidung, basierend auf den hinlänglich bekannten Evidenz basierten Leitlinien.

Sexualität

10-50% der Frauen berichten, dass sie zumindest zeitweise unter zu geringem sexuellen Verlangen etc. leiden. Probleme der Erregbarkeit, der Erregungshöhe und seltener Orgasmus scheinen die Unzufriedenheit mit der „Sexualität“ zu begleiten. Über den Krankheitswert und den Beginn einer Behandlung entscheidet letztendlich die Betroffene. Nur einige Behandlungen sind auch bewiesen wirksam.

Der Nutzen der „Hormone“ ist insgesamt fraglich.

  • Probleme mit der sexuellen Erfüllung („sexual satisfaction“), auch „nach dem Wechsel“, werden durch den Ersatz weiblicher Hormone sicher nicht entscheidend gebessert.
  • Östrogene in Kombination mit Testosteron erreichen bei bestimmten Problemen Wirkung (chirurgisch induzierte Menopause).

Medikamente werden ohne spezielle Zulassung für diese Störung eingesetzt („off label use“).

  • Testosteron
  • DHEA (ein Hormon, das von der Nebenniere gebildet wird)
  • Tibolon (ein Medikament gegen Wechseljahrbeschwerden)
  • Sildenafenil (Viagra), Vardenafil, Tadalafil
  • Yohimbin
  • Bupropion

Beweise für eine Wirkung (Evidenzklasse I-II) gibt es nur für Testosteron bei „vorzeitigem Wechsel“. Zugelassen ist Östrogencreme.

Bei uns:

  • Wir starten mit einem Interview und mit Testen, mit der Leistungsanalyse, begleitet von Blutuntersuchungen.
  • Medikamentenberatung zu Pflaster, Testosteron, Trazodon, neuen Ansätzen mit Melanocortinrezeptoragonisten, Alprostadil
  • Eine spezielle Form der CBT (Verhaltenstherapie) wird eingesetzt plus… das, was der spezielle Fall erfordert.

DHEA

Das DHEA, eines der Hormone der Nebenniere ist das „Mutterhormon“ für weibliche und auch männliche Hormone. Es gibt nun eine systematische Übersichtsarbeit (die Aufarbeitung der weltweit verfügbaren verlässlichen Studien) zur Anwendung von DHEA in der Postmenopause (28 Studien mit 1273 Frauen nach den Wechseljahren).

  • DHEA verbessert nicht die Lebensqualität.
  • DHEA hat androgene Nebenwirkungen, hauptsächlich Akne. Sonst wurden keine Nebenwirkungen gehäuft gefunden.
  • Die Wirkung auf menopausale Symptome (Hitzewallungen) ist nicht festzulegen.
  • DHEA verbessert die „Sexualität“.

Copyright Rainer Wiedemann und Petra-Ilona Wiedemann für das C.L.I.

Weitere Informationen zu unseren Methoden der Literatursuche. Weitere Informationen zur Evidenzbasierten Medizin erhalten Sie in unserem Buch: Wiedemann R et al. Krankmacher Lebensstil. 2005. conkom Verlag, ISBN 3-00-017436-2

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Letzte Aktualisierung: 04. Februar 2017