Patienteninformation zu Endometriose

Sehr geehrter Leser,
diese Gesundheitsinformation gibt Ihnen abgesichertes medizinisches Wissen zu Endometriose, auf das Sie sich verlassen können. Diese Gesundheitsinformation berücksichtigt die zuverlässigsten Studien weltweit und ist damit die wirksamste bekannte Maßnahme, um Ihre Gesundheitsentscheidung zu verbessern.

Was ist Endometriose, wann tritt sie auf?

Endometriose meint eine Veränderung, bei der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auch außerhalb der Gebärmutter vorkommt. Endometriose macht sich während der fruchtbaren Jahre der Frau bemerkbar und gilt als östrogenabhängig. Endometriose kann, muss aber nicht zu Beschwerden führen.

Bei Endometriose gibt es beschwerdefreie Frauen wie auch stark beeinträchtigte Patientinnen. Es ist nicht genau bekannt, wie viele Frauen Beschwerden durch Endometriose haben, insgesamt wohl bis zu 10% aller Frauen zwischen 13 und 50 Jahren.

Wie häufig ist Endometriose?

Endometriose ist häufig,  der Häufigkeitsgipfel der Endometriose liegt um das 40. Lebensjahr.
Endometriose (Gebärmutterschleimhaut am “falschen Ort”) findet sich bei 1,5% bis 6,2% aller Frauen unter 45, bei bis zu 60% der Frauen mit schmerzhafter Regelblutung (Dysmenorrhoe) und bei ca., 30% der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch.

Wie entsteht Endometriose? Man weiß es nicht genau, viel ist Spekulation.

Welche Beschwerden sind typisch?

Das Leitsymptom bei Endometriose sind (Bauch) Schmerzen. Häufig sind die Dysmenorrhoe (Regelschmerz) und die Dyspareunie (Schmerzen beim Verkehr). Seltenere Beschwerden sind schwere Dysmenorrhoe, die bis zur Bettlägerigkeit führt, schmerzhafter Stuhlgang oder Blasenbeschwerden. Auch allgemeine Erschöpfung und Überforderung kommen vor. Alle diese Beschwerden sind nicht nur bei Endometriose vorhanden.

Kann man vorbeugen? Wirksame vorbeugende Maßnahmen sind nicht bekannt. „Pille“ ist ein gewisser Schutz.

Wie sieht die Diagnostik aus, wie verlässlich ist sie?

Die Diagnose ergibt sich ausreichend sicher an den spezifischen Symptomen, nämlich den Schmerzen. Diese Schmerzen kommen aber nicht nur bei Endometriose vor, sondern beispielsweise bei Entzündungen im Genitalbereich (spezifisch aber nicht sensitiv). C

Der transvaginale Ultraschall (TVS, durch die Scheide) ist ausreichend zuverlässig und wird als erster Test empfohlen. C

Danach startet ein Behandlungsversuch, so ist es sinnvoll.

Falls dabei die Beschwerden noch vorhanden sind, wird die Diagnose durch Bauchspiegelung gestellt. C Die Diagnose der Endometriose lässt sich am verlässlichsten durch Bauchspiegelung stellen. Kernspin oder Computertomogramm und Blutuntersuchungen helfen nicht weiter.

Die Einschätzung der Schmerzen und die Beeinträchtigung der Lebensqualität werden über Interviews und Fragebögen erfasst. Das Modell der „working diagnosis“, bei der die Patientin in die Abfolge verantwortlich einbezogen wird, vermeidet Verzögerungen und Trivialisierung der Beschwerden. Für die Mitentscheidung bei der Diagnostik muss die Frau aber auch über mögliche Nachteile informiert sein.

Verlauf der Endometriose

Es gibt keine Beweise, dass Endometriose das Auftreten von Eierstockkrebs begünstigt. D

Ohne Behandlung bleibt der Befund bei ca. der Hälfte der Frauen unverändert oder bildet sich zurück (kleine Studien). Nach den Wechseljahren ist eine Besserung zu erwarten. C

Nach einer operativen Entfernung der Endometriose kommt es nach 1 – 5 Jahren bei 11% bis 32% zu einem Wiederauftreten. B

Medikamentöse Behandlung der Endometriose: Die Behandlung mit Medikamenten soll die Hauptbeschwerden, v.a. die Schmerzen (eingeschränkt leistungsfähig…) lindern oder beseitigen.

Schmerzmittel bei Endometriose: Ein Versuch mit Schmerzmitteln wird empfohlen, auch ohne definitive Diagnose („Behandlungsversuch“). A
Generell entscheidet der Patient .

Hormonelle Behandlungen

Die Unterdrückung der Eierstocksfunktion führt zu einer deutlichen Verbesserung der Schmerzen. Die Zeitspanne bis zum Wiederauftreten von Beschwerden wird entschieden verlängert. Alle zur Verfügung stehenden Medikamente sind ähnlich wirksam. Nebenwirkungen sind häufig.

Die „Pille“ ist neben den Schmerzmitteln der erste Behandlungsschritt. A

Eine längerfristige Schmerzreduktion scheint durch eine LNG Spirale möglich. GnRH Analoga sind bewiesen wirksamer, aber mit mehr Nebenwirkungen behaftet. Gelbkörperhormon und Danazol sind wirksam. Mehr als 60% der Frauen finden Schmerzmittel hilfreich, 50% die Pille, 60% die GnRH. Die Wirkung aller Medikamente nimmt über längere Zeit ab.

Wie lange soll man behandeln?

Die Dauer einer Behandlung ist abhängig vom Ansprechen der Beschwerden und den auftretenden Nebenwirkungen.

Wiederauftreten von Beschwerden nach Beendigung der Behandlung: Ein bis 2 Jahre nach Therapieende sollen bis zu 50% der Frauen wieder Beschwerden haben.

Diät, auch Fischöl, Akupunktur oder TENS (transcutane elektrische Nervenstimulation), Akupressur, Vitamin B1 und Magnesium können bei Dysmenorrhoe versucht werden. Eine deutliche Wirkung ist nicht zu beweisen. Im Empfinden der Patientinnen erreicht Akupunktur bei ca. 60% eine Schmerzreduktion.

Ist die Medikamentenbehandlung oder die Chirurgie wirksamer?

Mittelfristig scheint durch die Operation doch eher ein Gewinn an Lebensqualität möglich als durch Medikamente.

Welche Art der Operation ist wirksam? Die chirurgische Entfernung der Endometriose führt zu einer deutlichen Schmerzreduktion und zu einer signifikant besseren Lebensqualität. B

Im Empfinden der Patientinnen wurde die laparoskopische Herdentfernung kurzfristig am günstigsten eingestuft. Ein zusätzlicher Eingriff, eine Blockierung der Nerven, kann bei sehr starken Schmerzen überlegt werden.

Rezidive (Wiederauftreten) der Endometriose und des Schmerzes: Das Wiederauftreten von Endometriosebeschwerden kommt nach einem Jahr bei einem Drittel der operierten Patienten vor.

Die “große Chirurgie” nach vielen Rezidiven oder bei ausgeprägtem Befund?

Ausgedehnte Endometriose mit Übergehen auf den Darm und / oder die Blase ist nicht häufig. Die Medikamente wie auch die Operation scheinen mittelfristig (ca. ein Jahr) bis zu 2/3 der Patienten zufrieden zu stellen. Bislang gibt es aber keine verlässlichen Beweise, dass die ausgedehnte Chirurgie von Nutzen ist. D

Welche Belege gibt es für die chirurgische Entfernung von Endometriomen (= Endometriose im Eierstock?
Wer Schmerzen hat, wer die Bösartigkeit fürchtet, soll operiert werden.

Bei Kinderwunsch ist es ein Abwägen, denn jede Operation erzeugt Verwachsungen, die die Erfüllung des Kinderwunsches behindern können. C

Soll nach einer Operation der Endometriose mit Medikamenten nachbehandelt werden?

Nein, Nachbehandlung ist nicht erfolgreicher auf Schmerz, Wiederauftreten der Endometriose und Fruchtbarkeit (Fertilität) .

Hormonersatz nach Operation (Entfernung der Eierstöcke)?

Falls die Eierstöcke entfernt wurden, kann man Hormonersatzpräparate („Wechseljahrhormone“) einnehmen. B

Unerfüllter Kinderwunsch (Subfertilität) und Endometriose

Die Verursachung von Subfertilität durch Endometriose ist bei den Stadien mild und moderat nicht belegt.

Eine medikamentöse Behandlung bringt keinen positiven Effekt auf die spontane Fruchtbarkeit. A Die Nachteile überwiegen.

Bei Frauen mit Unterbauchbeschwerden und ungewollter Kinderlosigkeit sollten die Endometrioseherde direkt über eine Bauchspiegelung entfernt werden. Dadurch wird die Fruchtbarkeit verbessert. B

Bei Endometriose im Eierstock scheint die chirurgische Entfernung die Fertilität zu verbessern. C

Bei Endometriose der Stadien III und IV und Kinderwunsch ist die künstliche Befruchtung (IVF) zu empfehlen, da wegen Verwachsungen die Empfängniswahrscheinlichkeit herabgesetzt ist. A

Durch eine medikamentöse Vorbehandlung mit einem GnRH Analogon ist die Schwangerschaftschance höher als bei „konventioneller IVF“. A

Der Einfluss der Krankheit Endometriose (= symptomatische Endometriose) auf die Lebensqualität

Zum Umgang mit der Erkrankung gibt es weltweit nur Beobachtungen an kleinen Gruppen, die nicht auf die große Gruppe der Frauen mit Endometriose übertragen werden können. Die Hauptprobleme sind Schmerzbewältigung, verzögerte Diagnosestellung, Schwierigkeiten in persönlichen Beziehungen und in der Sexualität. Man weiß nicht genau, wie häufig dies ist. Betroffene Frauen sollen psychotherapeutischer Hilfe überlegen, denn es gibt wirksame Konzepte zur Behandlung von Depression, Ängsten, Paarkonflikten und zur Schmerzbewältigung.

Es gibt über 100 systematische Übersichten zum Thema Endometriose und fast 1000 RCTs (randomisierte kontrollierte Studien). Dennoch sind manche Fragen und Probleme nicht ausreichend sicher untersucht (erkenntlich an den Farben B, C, D). Nur A Empfehlungen sind verlässlich und sind „Goldstandard“.
Folgende Empfehlungen gelten:

  1. Entfernung der Endometrioseherde und der Verwachsungen, wenn bei einer Bauchspiegelung Endometriose festgestellt wird und Kinderwunsch besteht. A
  2. Keine Nachbehandlung bei Kinderwunsch, da Zeitverlust. A
  3. Entfernung von Endometriosezysten am Eierstock (mit Balg), falls es die Eierstockreserve und das Alter zulassen. D
  4. Auch bei schwerer Endometriose kann so vorgegangen werden. D 

Copyright Rainer Wiedemann für das C.L.I.

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Letzte Aktualisierung: 29. April 2017