Osteoporose

Es ist zuverlässig bewiesen: Es gibt für die postmenopausale Osteoporose eine verlässliche Diagnostik und eine wirkungsvolle Therapie. Deshalb soll man alle Frauen testen!

  • Management of osteoporosis in postmenopausal women: 2010 position statement of The North American Menopause Society. Menopause 2010 Jan/Feb; 17:25

Aber, in 50% wird ein falsches Vorgehen gewählt: Obwohl es Leitlinien zum Vorgehen gibt, wird nur in der Hälfte der Fälle das richtige Vorgehen gewählt.

Osteoporose bedeutet zunehmende Entsalzung der Knochen. Die Folge ist eine abnehmende Knochenstärke und gesteigerte Brüchigkeit.

Entgegen der vielfachen Annahme sind Osteoporose und Knochenbrüche kein Problem des hohen Alters. Mit 50, am Anfang der Wechseljahre, hat die Hälfte der Frauen Auffälligkeiten am Knochen. Dies führt bereits bei 50 Jährigen zu Brüchen der Wirbel. Abnahme der Körpergröße und das „Tannenzapfenzeichen“ (scheinbare Zunahme der Fettringe am Bauch) sind die von außen sichtbaren Zeichen. Durch die Höhenabnahme kommen die „Bauchringe“ stärker zur Geltung. Ohne geeignete Maßnahmen bekommt jede 2. Frau (50%) einen Bruch im Verlauf des weiteren Lebens.

Man wird dadurch ganz allgemein anfälliger für Krankheiten (wenn man Wirbelbrüche hat). Ist erst ein (meist unbemerkter) Bruch vorhanden, wird das Risiko weiterer Brüche (Frakturen) erhöht.

Man kann seinen eigenen Stand rasch zuverlässig beurteilen lassen, um Bescheid zu wissen und früh etwas tun zu können! Aber die Messung der Knochendichte reicht nicht!

Nicht nur Frauen, sondern auch Männer sind gefährdet. In jungen Jahren sind das Männer mit niedrigen männlichen Hormonen (Testosteron). Mit 40 Jahren haben 5% der Männer einen Mangel an Testosteron, mit 65 aber bereits über 50%.

Wer längere Zeit Cortison einnehmen muss, oder wer an einer chronischen Erkrankung leidet (z.B. Darmerkrankung, wie Colitis oder „Crohn“) ist in jeder Alterstufe durch Osteoporose betroffen.

Unabhängig ob Mann oder Frau betroffen sind, es muss „etwas getan werden“. Ab 65 Jahre braucht jeder Mensch eine wirksame Maßnahme, um sein Risiko für die bekannten „Altersbrüche“ (Oberschenkel, Arm) zu senken.

Reichen Basismedikamente (Calcium, Vitamin D) und Lebenstilveränderungen nicht?

Die bis 2006 gängigen Konzepte und ärztlichen Empfehlungen reichen nicht, sie erzielen keine nennenswerte Wirkung. Das liegt zum Einen daran, dass die Wirkung von Calcium und Vitamin D überbewertet wird und zum Anderen daran, dass die Menschen die verordneten Präparate schnell absetzen.

Abhilfe kann nur ein Umdenken, ein Konzept erreichen, dass das Dranbleiben (Compliance) fördert. Elektronische Erinnerung ist wohl wirksam!

Kein Calcium zur „Vorbeugung“!

Es gibt keine Daten dafür, dass eine Calciumgabe bei Menschen mit normaler Calcium- und Vitamin-D-Versorgung von Nutzen ist. Aber es gibt möglichen Schaden: Calciumsupplements unterstützen die Gefäßverkalkung und erhöhen die Todesfälle bei Menschen mit Nierenversagen und erhöhen das Herzinfarktrisiko bei gesunden älteren Frauen. Die Zahlen aus der Studie von 2010 und die von 8 weiteren guten Studien sagen, dass Calcium ein Risiko darstellt: Pro 1000 Menschen, die mit Calcium 5 Jahre behandelt werden, ereignen sich 6 Herzinfarkte und Schlaganfälle; 3 Knochenbrüche werden vermieden.

Die amerikanische USPSTF empfiehlt seit 2012, dass gesunde Frauen nach den Wechseljahren keine Tabletten mit Vitamin D und Calcium mehr einnehmen sollen. Es soll ausreichend Calcium über die Nahrung aufgenommen werden. Beim Gesunden mit Calciumzufuhr unter 2000 mg pro Tag erhöht sich das Risiko für Herzkreislauferkrankungen wohl nicht (Chung 2016).

Der Nutzen von Vitamin D plus/minus Calcium bei jüngeren Männern und Frauen vor den Wechseljahren ist völlig unklar und deshalb wird die Einnahme nicht empfohlen.

Und seit Anfang 2014 weiß man, dass man nie einen wesentlichen Gesundheitsvorteil (egal ob bei Krebs oder Herzerkrankungen oder am Knochen) durch die Einnahme von Vitamin D erreichen wird. Auch die Empfehlungen an Ältere sind nicht mehr aufrecht zu erhalten.

Bei uns:

Wie wird getestet, wer braucht Klarheit?

Die alleinige „Messung der Knochendichte“ ist nicht ausreichend. Der Risikotest ist genauer. Der „Risikotest“ ist Allen ab 50 zu überlegen. Frauen am Beginn der Wechseljahre wünschen eine Standortbestimmung mit Erklärung wirksamer Maßnahmen, um die Wirbelbrüche und damit die Größenabnahme und den „Hexenbuckel“ zu vermeiden.
Die Frau ab 55 Jahre kann die Messung der Knochendichte mit der DXA Methode durchführen.

  • Nayak S et al. Cost-Effectiveness of Different Screening Strategies for Osteoporosis in Postmenopausal Women. Ann Intern Med December 6, 2011 155:751-761e

Weitere Teste führen zu mehr Klarheit: Herzkreislauftest, aber auch Teste der körperlichen Leistungsfähigkeit, Stresstest, und andere können erforderlich werden; das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Die wichtigen Laborwerte werden automatisch mit heran gezogen. Der Gesamtbefund entsteht.

Menschen mit chronischen Erkrankungen oder diejenigen, die Cortison einnehmen müssen, sollten in jedem Alter getestet werden.

Alle Frauen, die bestimmte Medikamente gegen Krebs einnehmen (Aromatasehemmer) sollen auf ihr Risiko für Knochenbrüche untersucht werden.

Empfohlen ist der Test FRAX (nach WHO). FRAX ist kostenfrei. Ärzte, die nach ihm vorgehen, behandeln besser als die, die nur die „Knochendichte“ betrachten.

Eine Behandlung wird besprochen mit Frauen,

  • die bereits einen Bruch haben (Frakturen vertebral oder hip fracture)
  • mit densitometrischer Diagnose von Osteoporose (T- Score – 2,5 oder weniger)
  • mit T-Score zwischen –1,0 und –2,5 und einem 10 Jahresrisiko nach FRAX von 20% für alle Frakturen (spine, hip, shoulder, or wrist) oder von 3% für Hüftfraktur.

Frauen unter 45 Jahre mit Risiken:

Eine schwierige Aufgabe ist die Beratung der Frauen unter 45 mit niedriger Knochendichte oder „Periodenlosigkeit“. Die guten Studien fehlen. Behandelt wird nicht die Knochendichte, sondern das eventuell erhöhte Risiko für Brüche. Die früher gängige Empfehlung der Hormongabe ist nicht zuverlässig und heute stark zu hinterfragen!

Neues gibt es auch für die schwierigen Fälle, die Hochrisikopatienten für Knochenbrüche. Kombinationsbehandlungen scheinen viel versprechend.

Wir erklären es Ihnen.

Es hat sich vieles geändert, wir wissen wer wirklich eine Behandlung braucht. Bisphosphonate stehen im Vordergrund, Calcium und Vitamin D reichen nie.

Frakturrechner haben die Kandidaten für Behandlung mindest verdoppelt. Nach den Leitlinien der USA sind 75% der weißen Frauen über 65 Kandidaten für eine Behandlung. Das bedeutet Überdiagnose und Gefahr der Überbehandlung: Hüftfrakturen sinken in der Häufigkeit und die meisten kommen bei Leuten ohne Osteoporose vor. 175 Frauen nach den Wechseljahren mit Osteoporose müssten 3 Jahre behandelt werden, um eine Hüftfraktur zu vermeiden. Da könnte der Schaden der Bisphosphonate überwiegen.

Man  braucht hier eine sehr gute Beratung, auch mit Blutuntersuchung eines normalen oder erhöhten Knochenabbaus.

Die Behandlung ist relativ einfach geworden, es werden nur noch 4 Medikamente empfohlen: Alendronat, Risendronat, Zoledronat oder Denosumab und zwar über die Dauer von 5 Jahren.

Nicht mehr empfohlen werden Wechseljahrhormone („Östrogene“) und Raloxifen. A
Auch die Messung der „Knochendichte“ nach Beginn der Behandlung wird nicht mehr empfohlen.


Copyright Rainer Wiedemann für das C.L.I.

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Letzte Aktualisierung: 31. Oktober 2017