Übergewicht (Insulinresistenz, metabolisches Syndrom)

Übergewicht braucht neue Strategien, die alten mit Diäten funktionieren nicht:

  • Die Aktivitätsempfehlungen etc. finden kaum Platz in unserem stressvollen Leben. Das Zunehmen lässt sich nur mit einer perfekten Strategie vermeiden!
  • Psychologische Probleme werden massiv unterschätzt. 50% der Betroffenen haben erhöhte Werte für Depression und/oder Angst. Ein Drittel hat Essstörungen.
  • Hinzu kommen hohe Stresswerte, Fatigue und erniedrigte Fitness (Vo2 max), sowie geringe Stressbelastung und Erschöpfung („burn out“). Diese Auswirkungen werden bislang kaum berücksichtigt.
  • Diabetes (Zuckererkrankung) und die Folgeerkrankungen sind die entscheidenden medizinischen Probleme, ein Zustand mit niedriger Lebensqualität.

Jeder schafft es!

Ganz wichtig: Auch wenn Sie ein hohes Risiko haben, Sie sind zuverlässig geschützt, wenn Sie 4 oder 5 Punkte erreichen. Wir bieten ein speziell auf die eigenen Bedürfnisse und Veranlagungen ausgerichtetes Komplettprogramm.

Wie kann man längerfristig abnehmen?

  • Mit einem Langzeitkonzept, das man jahrelang beibehält.
  • Alles andere ist sicher wirkungslos. 50% der Bevölkerung betreibt ein aktives Gewichtsmanagement mit unwirksamen Strategien.
  • Programme ohne Anleitung und alle Diäten sind nach einem Jahr unwirksam. Das ist am sichersten bewiesen (Evidenzklasse Ia).
  • Der „Jo – Jo Effekt“ ist nicht die Erklärung für den Misserfolg.

Kann man überhaupt durch Abnehmen einen Gesundheitsvorteil erreichen?

Ja, wenn die Gewichtsreduktion mindestens 2 Jahre anhält. Ein Gesundheitsvorteil ist nur für die Fettreduktion („low fat“) und die mediterrane Kost bewiesen. Der Schutzeffekt ist dabei ähnlich hoch für Menschen mit hohem und niedrigerem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Fitness ist entscheidend. Wird sie gesteigert, so läuft es auch mit dem Gewicht…

Der Arzt, Übergewicht und dessen Behandlung

Ärzte beklagen ungenügenden Support, sie wünschen sich klare Handlungsanweisungen durch den Staat. Sie wollen Leitlinien und umsetzbare Prozesse (Praxismodelle) im Kampf gegen das Übergewicht, step-by-step guidelines.

  • Manson J E et al. The Escalating Pandemics of Obesity and Sedentary Lifestyle. A Call to Action for Clinicians. Arch Intern Med. 2004;164:249-258.

Bei uns:

Die Messung der Fitness steht am Anfang. Zu empfehlen sind zudem der Zuckertest und weitere Blutuntersuchungen. Falls bestimmte Hormone (Adiponectin) gestört sind, wird es ohne Korrektur schwierig mit dem Abnehmen. Auch der Stimmungstest und der Test auf Erschöpfung sind hilfreich.

Die wichtigen Laborwerte werden beim Gesamtbefund mitberücksichtigt. Mit dem Alter sich verändernde Hormone werden untersucht und auch ersetzt: Das ist der „Feinschliff“.

Aber, allein schaffen Sie es nicht. Ausschließliche Beratung, Aufklärung und Aufforderung etc. sind nicht wirksam. Man benötigt enge Betreuung, um auch über ein Jahr hinaus erfolgreich zu sein.

Sie können wählen zwischen den erfolgreichen Programmen:

Was passt zu mir?

Mehr Erfolg hat das Kombinationsprogramm. Sie brauchen Betreuung, Anleitung, Erinnerung usw, also ein überwachtes Programm.

Medikamente sind zusätzlich wirksam. Sie bringen nach einem Jahr 2-5 Kg Gewichtsabnahme mehr als Diät alleine. Sie verbessern auch die Zuckerwerte im Blut, die Blutfette und den Blutdruck. Ein Gesundheitsvorteil ist aber dadurch noch nicht bewiesen, aber auch kein Nachteil.

Man braucht keine neuen Diätprogramme – das Durchhalten, die Compliance, muss verbessert werden. Wir bieten ein Kombiprogramm mit Personaltrainer und Kontrollen über das Internet an.
Angeleitete Selbsthilfeprogramme, unterstützt durch telefonische Interventionen oder email Erinnerung, erreichen Wirkung.

Insgesamt ist ein Programm wie unseres hoch effektiv und kosteneffizient für die Gesellschaft und die Krankenkassen.
Eine recht nette und fachlich gute Einstimmung zum Abnehmen gibt das Quiz „HOW ARE YOU„.
Auch ohne große Englischkenntnisse kann man das Quiz bearbeiten. Die Tipps und Apps am Ende sind gut nutzbar.

Das Motto: Nie aufgeben, es sind u. U. viele Versuche notwendig. Immer wieder anspornen, auffordern und erinnern! Diät + Verhaltenstherapie + Bewegungsprogramm + Orlistat, jeder Punkt bringt einen isolierten Gewinn für das Gewicht!

Grenzen und Behandlungsalternativen für die „schweren Fälle“: Operation, aber nicht irgendeine!

„BMI 30 plus“

Die Beratung ist schwierig; welches operative Verfahren ist passend?

Realistisches Denken ist zu fördern:

Mit Diät sind 3-5 Kg möglich, mit Medikamenten weitere 3-5 Kg, Chirurgie hat ein höheres Potenzial. Steigerung der Fitness hat für die Gesundheit viel bessere Auswirkungen. Hier ist der Arzt gefragt, er ist wirksamer als alle öffentlichen Maßnahmen (Deutschland bewegt sich, „Pfundskur“ etc).

Der Arzt muss sich sehr gut auskennen, um überhaupt Wirkung zu erzielen: immer wieder auffordern, wie beim Rauchen, die Übergabe von Literatur verstärkt den positiven Effekt.

Im Vergleich Diät oder Magenoperation erreicht die Operation bei BMI von 30 bis 35 mehr Gewichtsabnahme und auch mehr Lebensqualiät.

Ende Juni 2012 wurde Belviq (Lorcaserin) von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zugelassen. Der Einsatz ist für Erwachsene gedacht mit einem Body Mass Index (BMI) über 30 und bei einem BMI über 27 und Zusatzerkrankungen wie Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder Hypercholesterinämie.

Belviq aktiviert den neuronalen Serotonin-Rezeptor 5HT-2C. Dadurch werden verschiedene Neuropeptide freigesetzt, die das Sättigungsgefühl verstärken. In drei klinischen Studien an 8000 adipösen Patienten war die Wirksamkeit und Sicherheit des Präparats untersucht worden. Dabei hatten die Probanden für 52 bis 104 Wochen Belviq oder Placebo erhalten. Zusätzlich hatten die Patienten eine kalorienreduzierte Diät und Beratung bekommen.

Nach einem Jahr kann man erwarten knapp 4% mehr an Körpergewicht zu verlieren gegenüber Nichteinnahme. Patienten, deren Gewichtsreduktion aber nach 12 Wochen nicht mehr als 5 Prozent beträgt, sollen nicht weiter mit Belviq behandelt werden.

Die bei ähnlichen Präparaten früher beobacheten Herzklappenveränderungen treten hier wohl nicht auf, da sie an einen anderen Rezeptor, den Serotonin-Rezeptor 5HT-2C, binden (so die Sicherheitsdaten der Studien). Vorsicht ist aber bei der Verordnung an Patienten mit Herzschwäche geboten, da diese höhere Spiegel an Serotonin 2B Rezeptoren haben, was ungünstige Auswirkungen haben könnte. FDA news release

Am 17. Juli 2012 wurde Qsymia von der FDA zugelassen bei BMI über 30 oder über 27 bei Zusatzerkrankungen. Qsymia enthält den Appetitzügler Phentermin und Topiramat, ein bei Migräne und bei Krampfanfällen bereits eingesetztes Medikament. Nicht zu empfehlen ist es nach Schlaganfall und bei Herzerkrankungen und nicht in der Schwangerschaft, kontraindiziert ist es bei Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) und Glaukom (Augendruckerhöhung).

Man verliert nach 1 Jahr 6,7% bis 8,9% mehr an Gewicht als bei Placebo. Nebenwirkungen sind Benommenheit, Verstopfung, Gesachmacksveränderungen, trockener Mund und „Ameisenlaufen“. FDA news release

Am 11. September 2014 wurde Contrave als drittes Medikament in USA zugelassen. Die US Food and Drug Administration (FDA) hat Contrave (Naltrexonhydrochlorid und Bupropionhydrochlorid = NHBH) bei BMI über 30 oder BMI über 27 mit Komorbidität zugelassen.

Die Studienbasis sind 4.500 übergewichtige Patienten. Ungefähr 4% mehr Gewichtsverlust gegenüber Placebo werden erreicht.

Wegen Bupropion wird eine Warnung wegen vermehrter suizidaler Ideationen und vermehrtem suizidalem Verhalten, sowie von Anfällen ausgesprochen (nicht bei Epileptikern geben). Blutdruckerhöhung und Pulssteigerung sind möglich. Die Auswirkungen auf Herzkreislauf sind unklar,da Patienten direkt nach Infarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz in den Studien ausgeschlossen waren. Es ist seit 2015 unter dem Namen Mysimba durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA zugelassen → Weblink.

Am 27.03.2015 hat die Europäische Kommission Saxenda mit dem Wirkstoff Liraglutid zur Gewichtsabnahme zugelassen → Weblink.

Oxford Vision 2020

ist eine Vereinigung gegen die weltweite Zunahme chronischer Erkrankungen. „Oxford Vision 2020“ will die erfolgreiche Strategie gegen Rauchen auf Übergewicht und Bewegungsmangel übertragen: „For obesity, we currently lack evidence of effective interventions. A strategy should be developed to address obesity as a chronic relapsing disorder that may require several weight loss attempts and the use of effective drugs that are developed in collaboration with the public health community.“

12 Lektionen, die gelernt sein wollen:

  1. Support von allen Seiten – „Healthy choices need to be the easy choices.“
    Individuelle Verantwortlichkeit kann nur in einer Gesellschaft gedeihen, wo der Staat, Industrieinteressen und auch alle Privatinteressen das Individuum unterstützen, eine gesunde Auswahl an Nahrungsmitteln zu treffen. Für Kinder ist dies besonders wichtig: „Nine a day the easy way“ für Frucht und Gemüse!
  2. Der Gesunde Lebensstil ist klar darzustellen – Evidence of harm is necessary. Wer abweicht, schadet sich. Der Normalgewichtige (BMI < 25) mit ausgewogener Ernährung (hoher Fasergehalt & Anteil an ungesättigten Fettsäuren, wenig gesättigte Fettsäuren, niedriger glykämischer Index), der täglich mindestens 30 Minuten moderat bis anstrengend körperlich aktiv ist, und der nicht raucht, hat niedriges Risiko.
  3. Jetzt handeln, nicht warten. – Die erfolgreichen Maßnahmen gegen Rauchen nutzen! Restriktion von Werbung, Verteuerung von ungesunder Nahrung, öffentliche Ächtung…
  4. Belohnungsstrategien, Darstellen des „Normalen“: Entwicklung einer Strategie, die Übergewicht als chronische, wiederkehrende Störung darstellt, das u.U. mehrfache Abnehmversuche erforderlich macht eben so wie wirksame Medikamente.
  5. Ziel: to promote the optimal diets for all.
  6. Ein „Rundum-Paket hat mehr Schlagkraft als Einzelmaßnahmen: – to create a social and policy milieu that works collectively rather than as separate elements.
  7. Support von allen Schichten und Menschen, die Öffentlichkeit erzeugen – broad based, well networked, vertical and horizontal coalitions are key.
  8. Breites internationales gesellschaftliches Interesse schaffen gegen Übergewicht und mangelnde Bewegung.
  9. Praevention unterstützen und belohnen, ein Klima schaffen, das Vorbeugung bevorzugt und nicht „Behandlung“.
  10. Breite Öffentlichkeit schaffen, damit Übergewicht und Bewegungsmangel global um 2% jährlich sinken…
  11. Gespräche und ständigen Austausch mit der Nahrungsmittelindustrie führen.
  12. Bündelung der Interessen. – Zusammenschluss der Aktiven gegen Rauchen und gegen Dicksein und „faulen Lebensstil“

Copyright Rainer Wiedemann und Petra-Ilona Wiedemann für das C.L.I.

Weitere Informationen zu unseren Methoden der Literatursuche. Weitere Informationen zur Evidenzbasierten Medizin erhalten Sie in unserem Buch: Wiedemann R et al. Krankmacher Lebensstil. 2005. conkom Verlag, ISBN 3-00-017436-2

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Letzte Aktualisierung: 15. April 2017