Insulinresistenz und metabolisches Syndrom

Was ist Insulinresistenz?

Insulin entsteht in der Bauchspeicheldrüse (Pancreas) und ist u.a. für die Blutzuckerregulation (Glucose) verantwortlich. Die Versorgung der Gewebe mit dem Nährstoff Glucose (Zucker) ist eine der Aufgaben. Bei Insulinresistenz (IR) liegt eine gestörte Insulinwirkung vor. Eine normale Menge an Insulin kann nur noch einen verminderten Glucosetransport im Fett- und Muskelgewebe aufrecht erhalten – man spricht von Insulinresistenz.

Insulinresistenz ist einerseits an der Entwicklung des Wohlstandszuckers (Typ 2 Diabetes) beteiligt und andererseits mit Risikofaktoren verbunden, die zur Herzerkrankung führen. Man spricht vom Insulin – Resistenz – Syndrom, auch vom metabolischen Syndrom und meint das gemeinsame Vorkommen von Übergewicht, erhöhten Blutfetten (hohe Werte der Triglyzeride und niedrige vom „guten Cholesterin“, dem HDL Cholesterin), erhöhten Blutzucker- und Blutdruckwerten. IR findet sich häufig bei Dicken.

Worin liegt die Bedeutung?

Die Verbesserung der Insulinwirkung (Vermeidung der Insulinresistenz) ist eine der frühen Aufgaben bei Übergewicht, auch wenn noch nicht sicher belegt ist, dass dadurch alleine ein Gesundheitsvorteil zu erreichen ist. Unbestritten gehen fast 50% der jährlichen Herzinfarkte bei Diabetikern zu Lasten der Insulinresistenz.

Gibt es wirkungsvolle Ansätze der Behandlung und Vorbeugung?

Ja, Sport (Evidenzklasse Ib / II). Die Verbesserung der Insulinsensitivität ist bis ins Alter gegeben. Die Muskulatur behält auch mit zunehmendem Alter die Fähigkeit der schnellen Verbesserung der Insulinempfindlichkeit. Sowohl Ausdauertraining als auch Muskelaufbau (resistance training), beides in Kombination mit fettreduzierter Diät, beeinflussen die Insulinsensitivität besser als Diät alleine. Kombination von Ausdauer- und Widerstandstraining hat mehr Effekt als alleiniges Ausdauertraining. Programme mit höherer Intensität sind zur nachhaltigen Verbesserung der Insulinsensitivität erforderlich (Evidenzklasse Ib / II).

Merke: Die Verbesserung der kardiorespiratorischen Fitness (erklärt im Kapitel Zusatzleistungen) ist wichtiger als die absolute Höhe der Gewichtsreduktion.

Was ist noch günstig?

Essen nach dem glykämischen Index. Nach Mahlzeiten mit hohem GI sind die Glucosespiegel im Serum signifikant schneller erhöht als nach Speisen mit niedrigem GI. Außerdem finden sich höhere Insulinspiegel.

Essen nach dem glykämischen Index führt zu

  • geringerer Energieaufnahme (ca. 25 % gegen Plazebo) und Gewichtsreduktion
  • Verbesserung der Blutfette
  • Senkung der Insulinspiegel
  • Hormonverbesserungen (SHBG Anstieg und Testosteronsenkung bei Frauen).
Essen nach dem glykämischen Index und Sport sind effektiv als unterstützende Maßnahmen bei der Behandlung von Essanfällen (binge eating) durch Psychotherapie und/oder Antidepressiva.

Diäten, die streng nach dem glykämischen Index gehen (starke Vermeidung von Kohlenhydraten) sind bedenklich: eine Risikoerhöhung für Herzinfarkt ist denkbar. Aber diese strengeVermeidung der Kohlenhydrate ist absolut nicht notwendig.

Es gibt keine „bessere Diät.“

Bei Behandlung mit Diät plus Folsäure (5 mg/d) plus Vitamin B12 (500 mg/d) sinkt Insulin parallel zu Homocystein.

  • Setola E et al. Insulin resistance and endothelial function are improved after folate and vitamin B12 therapy in patients with metabolic syndrome: relationship between homocysteine levels and hyperinsulinemia. Eur J Endocrinol. 2004 Oct;151(4):483-9.

Chrom wirkt und ist nebenwirkungsarm.

  • Bravata DM et al. Efficacy and Safety of Low-Carbohydrate Diets. A Systematic Review. JAMA. 2003;289:1837-1850.
  • NORDMANN AJ , Suter-Zimmermann K, Bucher HC, Shai I, et al. Meta-analysis comparing mediterranean to low-fat diets for modification of cardiovascular risk factors. Am J Med. 2011;124:841-851

Bei uns:

Zuckertest und andere: Wir starten bei Übergewichtigen (und bei Frauen mit PCO – Syndrom, siehe eigener Punkt) mit dem Zuckertest und weiteren Blutuntersuchungen. Veränderungen von Insulin (dem Hormon, das den Blutzucker reguliert) sind frühzeitig nachweisbar. Erhöhtes ADMA (asymmetrisches Dimethylarginin) im Blut erscheint verantwortlich für die Gefäßveränderungen bei Insulinresistenz. Ein Rückgang von ADMA gelingt durch Maßnahmen, die die Insulinsensitivität verbessern.

Der Test auf Fitness und Belastbarkeit ist am wichtigsten. Weitere Tests können je nach Fall angeschlossen werden: JNK (c-Jun N-terminale Kinasen) ist ein neu entdeckter Stoffwechselweg, der wichtig wird, auch die AMPK (AMP-aktivierte Proteinkinase). Sie erhöht den Glukoseumsatz im Muskel unabhängig vom Insulin.

Die wichtigen Laborwerte werden empfohlen. Der Gesamtbefund entsteht in patientenfreundlicher Sprache.

Der Erfolgreiche

  • isst „low fat“, beachtet den GI (glykämischer Index), betreibt ein angeleitetes Fitnessprogramm von mindestens 35 Minuten pro Tag,
  • hat die kardiovaskuläre Fitness erhöht und
  • hält Kontakt zum Therapeuten.

Wir bieten ein überwachtes Programm (www.bestbenefit.net).

Im Kapitel Diabetes und die Vorstufen finden Sie weitere Ausführungen zu Problemen mit dem Zucker und mit Insulin.


Copyright Rainer Wiedemann und Petra-Ilona Wiedemann für das C.L.I.

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Letzte Aktualisierung: 13. November 2016