Wenn die Eierstöcke einer Frau Anfang dreissig so schlecht auf Hormone reagieren, wie die einer über Vierzigjährigen, geht das dann auch mit einem ähnlich hoher Anteil genetisch defekter Eizellen einher?

Gleich vorweg: Nein. Frauen, deren Eierstöcke nur unzureichend und langsam auf eine hormonelle Stimulation reagieren (low responder) haben zwar eine verringerte Eierstocksfunktion, wie sie normalerweise erst in höherem Alter auftritt, jedoch bedeutet dies nicht, dass auch genetische Auffälligkeiten der Eizellen häufiger sind.

Dies wurde in einer Studie in den USA untersucht. 20 Frauen mit einer verminderten Eierstocksfunktion (Studiengruppe) und 20 Frauen mit einer normalen Reaktion auf Hormongaben (Kontrolle) gleichen Alters wurden einer IVF-Behandlung unterzogen. Insgesamt konnten im Rahmen der Studie 258 Embryonen genetisch untersucht werden. In beiden Gruppen wurden die Chromosomen X, Y, 13, 16, 18, 21, und 22 der Embryonen untersucht und die Zahl der Auffälligkeiten (Aneuploidien) war gleich hoch (etwas über 52%).

Die Freude über dieses an sich erfreuliche Ergebnis wird jedoch getrübt durch die Tatsache, dass die Rate fortlaufender Schwangerschaften in der Studiengruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe (41%) mit 21% recht niedrig war, was hauptsächlich auf den höheren Anteil an Fehlgeburten (50% bzw. 13%) zurückzuführen war.

Schlussfolgerungen
Die Eizellen altern auch bei Low Responderinnen mit normaler Geschwindigkeit. Unabhängig von der Genetik der Eizellen ist die Fehlgeburtsrate bei Frauen mit eingeschränkter Eierstocksfunktion vermutlich höher. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass bei älteren Frauen mit überdurchschnittlich gutem Ansprechen auf eine Hormonbehandlung die Eizellen dennoch nicht besser sind als bei Frauen mit altersentsprechend eingeschränkter Ovarialfunktion. Letztere hätten aber aufgrund der besseren Möglichkeit zur Auswahl der Eizellen aber möglicherweise mit einer niedrigeren Fehlgeburtsrate zu rechnen.

Die Fehlgeburtsrate ist nicht alleine abhängig von der genetischen Qualität der Eizellen. Die Ergebnisse sind interessant, jedoch ist die Zahl der untersuchten Patientinnen viel zu klein für eine signifikante Aussage

Weghofer A, Barad D, Li J, Gleicher N, Aneuploidy rates in embryos from women with prematurely declining ovarian function: a pilot study. Fertil Steril. 2007 Feb 9; [Epub ahead of print]

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